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Der nächste Stopp auf unserer Interrail-Reise durch Portugal: Braga. Diese traditionsreiche Stadt zählt zu den ältesten des Landes und liegt im Herzen Nordportugals. Sie begeistert durch die prachtvollen Barockkirchen, lebendigen Plätze, einer jungen Studentenszene und authentischen Gassen voller Kultur und Geschichte. Braga ist damit ein idealer Interrail-Stopp für alle, die Kultur, Geschichte und modernes Stadtleben auf einer Reise verbinden möchten.
Am Vortag hatten wir spontan ein nettes und zentrales Hotel inmitten der schönen Altstadt von Braga gefunden. Nun machten wir uns auf den Weg, von Viana do Castelo aus, und erreichten unser Ziel nach ca. 1,5 Stunden Zugfahrt mit nur einem Umstieg.
Dort angekommen entschieden wir uns in einem nahegelegenen Park das restliche Essen von gestern zu vernichten und so die Zeit zum Check-in zu überbrücken. Wer sich noch erinnert: Es gab Tomatensalat. Und ja, wir hatten in unseren eh schon viel zu vollen Rucksäcken Tupper mitgebracht – wir sind ja schließlich Schwaben! Und nein, Besteck hatten wir natürlich nicht dabei … Wir saßen jetzt also in diesem schönen Park und schlürften unseren Tomatensalat aus unserer Plastikdose – herrlich!
Das Hotel
Nach dieser Stärkung konnten wir bereits in unser Hotel „Berço de Mordomias“ einchecken und unsere Auswahl hat uns nicht getäuscht. Der Empfang war sehr herzlich und wir bekamen allerlei Tipps für die Region. Das Zimmer war sauber und sehr stilvoll eingerichtet. Die Lage war aber unschlagbar: direkt in der Fußgängerzone und in der Nähe des bekannten Steintorbogens „Arco da Porta Nova“. Wir entschieden uns zwei Nächte zu bleiben und bezahlten hierfür 140 Euro.



Die Stadtmitte
Anschließend machten wir uns auf Entdeckungstour durch die Stadt und die Fußgängerzonen. Wir fanden einige schöne Plätze, Geschäfte und Gebäude. Im Vergleich zu Viana do Castelo waren die Straßen hier sehr belebt und es war einiges los. Mitten in der Stadt, auf der Praça da República, stand ein beeindruckender Springbrunnen und es gab einige Cafés und Geschäfte. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand außerdem das Vinho Verde Fest statt. Hier stellten Dutzende Weingüter aus der Region ihre Weine vor und boten Weinproben an. Neben den Weinständen gab es auch allerlei Essensstände mit regionalen Leckereien sowie eine große Bühne, auf der abends Bands spielten und den Besuchern ordentlich Stimmung machten.
Direkt neben dem Platz fanden wir ein nettes Café, wo wir allerlei Leckereien ausprobierten. Eine Sache, die uns, neben den Natas, bereits in Viana do Castelo sehr gut geschmeckt hat, war Bolo de Arroz. Ein Reiskuchen, der sehr saftig und locker ist, aber eine schöne Zuckerkruste hat. Dieser Kuchen sollte unser ständiger Begleiter in Cafés werden.



Direkt im Stadtzentrum gibt es noch allerlei traditionsreiche Kirchen und Paläste zu entdecken. Obendrein findet man schöne Plätze und Blumengärten zum Verweilen. Darunter waren unter anderem: Sé Cathedral de Braga, Basílica dos Congregados, Jardim da Avenida Central, Praça Municipal, Antigo Paço Arquiepiscopal und Jardim de Santa Bárbara.








Apps und Abendessen
Hier in Braga hatten wir den Gedanken, dass wir Apps wie „Too good to go“ auch mal in Portugal ausprobieren könnten, vielleicht hatten wir ja Glück. Und siehe da: Es gab ein sehr breites Angebot vieler Restaurants, Cafés und weiteren Geschäften. Für gerade mal 5 Euro reservierten uns zwei Überraschungstüten in einem Café und einem Snackladen, welcher nach den Pães de queijo benannt war, und hofften diese in der Tüte zu finden. Wir wurden für das Geld nicht enttäuscht und erhielten zwei riesengroße Tüten mit übrigen Lebensmitteln, die allesamt noch lecker waren – das Frühstück und die Snacks für die nächsten zwei Tage waren gesichert!
Da das so gut funktioniert hat, testeten wir als Nächstes die App „The Fork“. Hier kann man Reservierungen in teilnehmenden Restaurants durchführen, teilweise Rabatte erhalten und Punkte sammeln, die man später als Gutschein in Restaurants einlösen kann. Vor einigen Jahren hatten wir in Venedig dadurch ordentlich sparen können und dachten, wir probieren es nun in Portugal. Die Auswahl an Restaurants war groß und wir fanden ein ziemlich gut bewertetes brasilianisches Restaurant. Auch ohne Rabatte entschieden wir uns hier zu reservieren, damit ich meine Sehnsucht nach dem brasilianischen Essen stillen konnte. Und was soll ich sagen: Es war der absolute Wahnsinn! Sogar so gut, dass wir direkt entschieden für den nächsten Abend wieder zu reservieren, um uns noch weiter durch die Speisekarte zu probieren. Eine genaue Beschreibung zur Erfahrung im Restaurant „Capim Dourado“ in Braga findet ihr hier.
Die Markthalle
Am nächsten Morgen starteten wir den Tag mit einem Ausflug in die Markthalle der Stadt. Die Halle machte einen ziemlich neuen und modernen Eindruck und wirkte durch viel Glas sehr freundlich. Neben ein paar festen Räumlichkeiten ringsum für Metzgereien und ähnliche Geschäfte gab es in der Mitte der Halle allerlei Stände. Es herrschte ein buntes Treiben und die Geräuschkulisse war wirklich beeindruckend. Von Gebäck und Brot, Obst und Gemüse, Oliven oder Gewürzen bis hin zu Blumen, Zimmerpflanzen und Setzlingen fand man hier alles, was das Herz begehrt. Es gab noch zwei Nebenräume zur Halle: Einen Fischmarkt und einen Tiermarkt – hier wurden beispielsweise lebende Hühner und Kaninchen verkauft, was alles andere als ein schöner Anblick war.
Was mich besonders beeindruckt hat, waren die Preise. Diese standen in überhaupt keinem Verhältnis zu dem, was wir von den Stuttgarter Wochenmärkten gewohnt sind. Hier lohnte es sich tatsächlich noch auf dem Markt einzukaufen und die angebotenen Lebensmittel waren auch so schön perfekt unperfekt!
Die Markthalle hat außer sonntags und montags jeden Tag von 7 bis 17 Uhr (samstags bis 14 Uhr) geöffnet und ist definitiv einen Besuch wert!





Bom Jesus do Monte
Nach der Stärkung auf dem Markt fuhren wir mit dem Bus Richtung Bom Jesus do Monte. Die katholische Wallfahrtsstätte mit ihrer beeindruckenden Anlage, der imposanten Basilika und den vielen Treppen wurde sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Am Fuß der Basilika angekommen, entschieden wir uns wieder mit der historischen Standseilbahn zu fahren. Diese ist die älteste funktionierende Wasserballastbahn der Welt und überwindet den Höhenunterschied von 116 Metern dank Wasserkraft in gerade einmal 3 Minuten. Sie fährt jede halbe Stunde und kostet für Hin- und Rückfahrt gerade einmal 4 Euro. Man kann sich eine der Fahrten sparen, wenn man die beeindruckenden Treppen zur Basilika nehmen möchte. Dann zahlt man nur 2,50 Euro. Da wir beide aber durch das Gepäck der letzten Tage Probleme mit unseren Knien bekommen haben (man wird leider nicht jünger), verzichteten wir auf die insgesamt 581 Treppen bis zur Basilika.
Oben angekommen, bot sich ein toller Blick auf die Basilika und ein wunderbarer Ausblick auf die Stadt. Die Parkanlage war riesig! Wir begannen damit, diese zu besichtigen, da in der Basilika gerade eine Hochzeit stattfand. Mit dieser Aussicht und der großen Kirche muss das Brautpaar wohl unglaubliche Bilder von diesem Tag bekommen haben. Dafür muss man aber wohl in Kauf nehmen, seinen großen Tag mit vielen Touristen zu verbringen. Hier hatten wir (bezüglich der Menschenmenge) also nicht so viel Glück wie an der Wallfahrtskirche in Viana do Castelo. Durch die Größe des Geländes haben sich die Menschen allerdings sehr gut verteilt.






Direkt neben der Basilika befand sich ein Teich mit einer künstlich angelegten Tropfsteinhöhle. Diese war aufwendig bepflanzt und ein kleiner Wasserfall plätscherte in den Teich, welcher von einigen Schildkröten bewohnt wurde. Über der Tropfsteinhöhle ragte ein schöner, zugänglicher Pavillon, welcher einen traumhaften Ausblick bot. Wenn man schon mal auf dem Hügel ist, kann man noch das Gelände weiter erkunden. Hier schließt ein Wald an und man findet allerlei Brunnen und andere Bauten.





Nach der Entdeckungstour hatten wir Glück, denn das Wetter wurde klar und es kam sogar die Sonne raus. Zum Schluss machten wir uns auf den Weg in die Kirche, da die Hochzeit nun vorüber war. Auch diese enttäuschte nicht und war durchaus prunkvoll, wie man es von einer katholischen Kirche eben erwartet. Der Altar war sehr aufwendig gestaltet und während wir in der Basilika waren, fanden dort musikalische Proben statt. Wir setzten uns auf die Bänke und lauschten der Frau, die mit einer engelsgleichen Stimme eine wunderschöne Arie sang und von einem Streicher begleitet wurde. Durch die Akustik ist der Kirche hallte ihre Stimme bis in unsere Knochen und man bekam sofort eine Gänsehaut, das war ein fantastisches Erlebnis. Wer etwas länger dort ist, sollte auch das Glockenspiel der Basilika nicht verpassen.



Das Theater
Als wir am Vortag in Braga ankamen, entdeckten wir am Bahnhof Plakate zur Veranstaltungsreihe „Júlio é de Jazz“ und hatten Glück, dass während unseres Aufenthalts ein Konzert im Theater stattfand. Für gerade mal 12 Euro pro Person kauften wir Tickets für das Konzert von „Orquestra de Jazz de Matosinhos & Peter Evans“ im alten Theater von Braga. Wir hatten erst am Vorabend gebucht, erhielten aber trotzdem super Plätze in den vordersten Reihen. Das Theater war dennoch ziemlich voll, die Portugiesen entscheiden wohl ziemlich spontan. Die Architektur des Theaters war ebenso beeindruckend wie die Musiker, die an diesem Abend auf der Bühne standen. Wer also die Möglichkeit hat, bei einem Besuch in Braga das Theatro Circo zu besuchen, sollte diese Chance auf jeden Fall ergreifen! Vielleicht werdet ihr ja genauso überrascht wie wir.



Am nächsten Morgen hieß es für uns wieder Rucksack packen und weiter geht’s! Welcher Halt wohl als Nächstes auf uns wartet?
